Pressemitteilung vom 09.12.2014

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Politik hat Krise der Pflege im Krankenhaus nicht erkannt

Der Deutsche Pflegerat (DPR) ist tief enttäuscht von den Eckpunkten der Bund-Länder-AG zur Krankenhausreform 2015. „Die Politik hat offensichtlich die Tragweite der aktuellen Probleme der professionellen Pflege im Krankenhaus nicht verstanden“, kritisiert DPR-Präsident Andreas Westerfellhaus heute in Berlin.
 
„Das vorgeschlagene Pflegestellenförderprogramm bedeutet umgesetzt im Durchschnitt zwei Stellen Pflegefachpersonen mehr pro Krankenhaus“, weist Westerfellhaus hin. Umgerechnet ergebe dies nicht einmal den Bruchteil der Überstunden, die sich aufgrund der Mehrbelastungen des Pflegepersonals angehäuft haben.
 
„Die Bund-Länder-Vorschläge zur Krankenhausreform reichen mit Blick auf das dringend benötigte Pflegepersonal bei Weitem nicht aus.“ Der Deutsche Pflegerat befürchtet zudem, dass die Krankenhäuser, die geplant hatten Stellen aufzubauen, jetzt zunächst abwarten werden bis das Förderprogramm läuft.
 
„Es würde die Lage schon deutlich verbessern, wenn ab 2015 die Verwendung der in den DRG kalkulatorisch enthaltenen Kosten für den Pflegeaufwand für Pflegestellen nachgewiesen werden müsste“, zeigt sich Westerfellhaus überzeugt: „Das kann sofort umgesetzt werden. Doch nicht einmal dazu konnte sich die Arbeitsgruppe durchringen“.
 
Skeptisch ist Westerfellhaus auch hinsichtlich der Wirkungskraft der im Eckpunktepapier vorgeschlagenen Expertenkommission. Diese soll prüfen, ob der allgemeine Pflegebedarf in Krankenhäusern gestiegen ist und ob demenzerkrankte, pflegebedürftige oder behinderte Patientinnen und Patienten zu einem erhöhten Pflegebedarf führen. Aus Sicht des Deutschen Pflegerats ist der Auftrag der Expertenkommission falsch gesetzt und im Ansatz nicht umfassend genug.
 
Zudem sollen die Vorschläge der Expertenkommission erst spätestens Ende 2017 vorliegen. Sie greifen somit frühestens 2018 nach der nächsten Bundestagswahl, mahnt der Deutsche Pflegerat.
 
„Damit gehen für die Pflege im Krankenhaus entscheidende Jahre verloren. Die Maßnahmen müssen heute beginnen zu greifen und nicht erst in vier Jahren“, fordert Westerfellhaus Eilbedarf ein. „Der Pflegepersonalbedarf ist zudem bereits heute klar ersichtlich. Wir brauchen keine weitere Expertise für Sachverhalte wie den Pflegepersonalmangel. Die dafür notwendigen Erkenntnisse und Umsetzungsschritte zu seiner Behebung liegen bereits heute auf dem Tisch.“

 

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