Ethik

Ethisches Handeln ist ein Grundpfeiler der professionellen Pflege und der Hebammen. Im Jahr 1953 hat das International Council of Nurses (ICN) erstmals einen internationalen Ethikkodex für Pflegende verabschiedet, der seither mehrmals angepasst wurde, zuletzt im Jahr 2012. Der Kodex bestimmt in vier Bereichen den Standard ethischer Verhaltensweisen: Pflegende und ihre Mitmenschen, Pflegende und die Berufsausübung, Pflegende und ihre Profession sowie Pflegende und ihre Kolleginnen.

Damit der ICN-Kodex wirksam sein kann, sollte er Pflegenden vertraut sein. Daher sieht es der Deutsche Pflegerat als seine Aufgabe an, bei beruflich Pflegenden seine Verbreitung zu unterstützen. Die übersetzte Version des ICN-Kodex finden Sie hier zum Download.

Dem Ethik-Kodex der International Confederation of Midwives (ICM) folgend, hat sich die Berufsgruppe der Hebammen in Deutschland zum Ziel gesetzt, die gesundheitliche Versorgung von Frauen, Säuglingen und Familien vor, während und nach der Geburt eines Kindes und während der gesamten reproduktiven Phase der Frau zu gewährleisten. Dieses Ziel macht es erforderlich sowohl die Kompetenzen der einzelnen Hebamme, als auch das Hebammenwesen insgesamt weiterzuentwickeln. Im Einklang mit diesem Ziel dient der Ethik-Kodex als Orientierung für Ausbildung, Berufsausübung und wissenschaftliches Arbeiten der Hebammen. Der Ethik-Kodex basiert auf der Anerkennung der Würde eines jeden Menschen und strebt das Einhalten von Menschenrechten, Selbstbestimmung und Gleichheit im Gesundheitswesen an. Er beruht auf gegenseitigem Respekt. Der Kodex beschreibt das ethische Handeln der Hebamme in Bezug auf die Erfüllung ihrer Aufgaben, um die Gesundheit und das Wohlergehen von Frauen und Neugeborenen in ihren Familien und ihrer Umgebung zu fördern.

Weitere Informationen zur „Ethik für Hebammen“ finden Sie hier.

Die Herausforderungen der Pflege und des Hebammenwesens

Pflege ist ein toller Beruf mit viel Potenzial und Entwicklungsmöglichkeiten. Pflege findet Antworten auf die grundlegenden Bedürfnisse der Menschen nach Gesundheit und einer selbstbestimmten Gestaltung des Alltags trotz gesundheitlicher Einschränkungen. Konzepte aus der Pflegewissenschaft und -praxis, die auf ethischen Grundsätzen basieren, sind Grundpfeiler der Profession Pflege. Zudem leisten Pflegende – als größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen – und Hebammen einen entscheidenden Beitrag zur Wertschöpfung in diesem Bereich und sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Pflege und Hebammenwesen sind allgegenwärtig: Vom Beginn des Lebens zu Hause oder im Kreißsaal, den Aufbau von Eltern-Kind-Bindung und die frühe Familienphase, über Unfälle im Kindesalter bis zur Erkrankung als Erwachsener und in der Altenpflege. Auch in der Entwicklungshilfe und in Krisengebieten wird Versorgung benötigt, in der Traumatologie, in der Notfallaufnahme, auf der Intensivstation. Und im Kreißsaal, dem OP-Bereich, in der Psychiatrie, in der Palliativpflege am Ende des Lebens. Beruflich Pflegende arbeiten professionell, forschen, lehren, tragen Verantwortung.

Allerdings stehen die professionelle Pflege und die Hebammen vor großen Herausforderungen: Die demografische Entwicklung führt zu einer Zunahme chronischer Krankheiten und Multimorbidität, traditionelle Familienstrukturen wandeln sich, die technische Entwicklung schreitet voran – insbesondere die Digitalisierung – und Wissensbestände erneuern sich rapide. Die regionale Bevölkerungsdichte verschiebt sich durch den zunehmenden Zuzug jüngerer Menschen in die Städte, während vor allem ältere Menschen in den ausgedünnten ländlichen Regionen zurückbleiben. Der schon Jahrzehnte bestehende Mangel an Pflegefachpersonen verschärft sich dramatisch und Hebammenhilfe kann nicht überall gewährleistet werden.

Diese Herausforderungen machen ein Umdenken, eine Neuorientierung und einen grundlegenden Strukturwandel erforderlich. Die Berufsgruppen der Pflegenden und Hebammen sind aufgerufen, sich in Politik und Gesellschaft mit neuen Ideen, Konzepten und Lösungsmöglichkeiten für eine bedarfsgerechte Versorgung einzubringen, damit dieser Wandel gelingt. Der Deutsche Pflegerat möchte bei diesem Prozess ein Sprachrohr sein, indem er die Ideen, Konzepte und Positionen bündelt, in die entsprechenden Gremien einbringt und für ihre Umsetzung kämpft.