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25.03.2026 Arbeitsbedingungen Bildung Pressemitteilung

Mehr Auszubildende, mehr Personal: Deutscher Pflegerat sieht Fortschritt, mahnt und fordert konsequentes Handeln

Die Pflege gewinnt weiter an Zulauf: 2025 wurden rund 64.300 neue Ausbildungsverträge zur Pflegefachperson abgeschlossen, ein Anstieg von acht Prozent (plus 4.900), meldet das Statistische Bundesamt. Insgesamt befinden sich rund 158.000 Menschen in der Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann – so viele wie nie zuvor.

Zum 31. Dezember 2025 lag zudem die Zahl der Pflegestudierenden insgesamt bei rund 1.800. Rund 800 haben 2025 ihr Studium aufgenommen. Gemessen an den Ausbildungszahlen entspricht das lediglich rund 1,2 Prozent eines Jahrgangs.

Mehr Personal, aber steigender Bedarf

Laut Fachkräftemonitoring der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) ist die Zahl der Beschäftigten im Pflegedienst in Krankenhäusern deutlich gestiegen: In den letzten zehn Jahren um rund 90.000 auf knapp 409.000 Vollzeitstellen; im ärztlichen Bereich auf mehr als 180.000 (plus 30.000). Dennoch bleibt der Fachpersonalmangel groß, da bis 2035 allein im Krankenhaus rund 300.000 Beschäftigte altersbedingt ausscheiden. In der Langzeitpflege wird erwartet, dass bis zu ein Drittel der beruflich Pflegenden in diesem Zeitraum aus dem Beruf ausscheidet. Hinzu kommen der demografiebedingte Mehrbedarf an pflegerischer Versorgung und der damit verbundene Personalaufbau.

Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, bewertet die steigenden Ausbildungszahlen als wichtigen Fortschritt: „Die Zahlen zeigen, dass die Pflegeausbildung auf dem richtigen Weg ist. Immer mehr Menschen entscheiden sich damit für einen sinnstiftenden Beruf mit vielfältigen Einsatz- und Entwicklungsmöglichkeiten sowie guter Bezahlung. Das ist ein starkes Signal.“

Keine Entwarnung für die Versorgung

Sie betont jedoch: „Das ist keine Entwarnung. Schon heute fehlen Pflegefachpersonen in allen Versorgungsbereichen. Der Personalaufbau im Krankenhaus korrigiert einen lange ignorierten Mangel, während die Langzeitpflege weiter unter hohem Druck steht. Gleichzeitig ist die geringe Zahl der Studierenden in der Pflege besorgniserregend.“

Ausbildung stärken und Fachpersonal halten

Der Deutsche Pflegerat fordert, die positive Entwicklung gezielt abzusichern. „Die Qualität der Ausbildung, die enge Einbindung in die Praxis und verlässliche berufliche Perspektiven sind entscheidend“, so Vogler. Ausbildungsplätze müssen weiter ausgebaut, ausreichend Lehrpersonal gewonnen und die Ausbildungsstrukturen an Pflegeschulen und Hochschulen gestärkt werden. Ebenso wichtig sind gute Arbeitsbedingungen, eine gute Praxisanleitung und Begleitung der Auszubildenden sowie eine erlebbare Digitalisierung in den Einrichtungen. „Wir dürfen niemanden auf dem Weg verlieren.“

Beim Pflegestudium besteht deutlicher Nachholbedarf

„Dass nur rund 800 Menschen ein Pflegestudium aufnehmen, ist ein klares Warnsignal“, mahnt Vogler. Deutschland bleibe beim Aufbau einer modernen hochschulischen Pflegebildung deutlich hinter dem notwendigen Bedarf zurück. Mit rund 1,2 Prozent an neu begonnenen Studierenden des Pflegeausbildungsjahrgangs liegt die Akademisierungsquote weit unter der Empfehlung des Wissenschaftsrats von 10 bis 20 Prozent. Es brauche daher einen entschlossenen Ausbau der Studienplatzkapazitäten, verlässliche Finanzierung und klare Einsatz- und Karriereperspektiven. „Wer die Versorgung von morgen sichern will, muss heute deutlich stärker in die akademische Pflegebildung investieren.“

Personalbemessung weiterentwickeln

Mit Blick auf das Fachkräftemonitoring der DKG weist der Deutsche Pflegerat auf ein zentrales Spannungsfeld hin: Krankenhäuser berichten von bürokratischem Aufwand. „Andererseits kann es nicht sein, ausgerechnet die Instrumente zur Personalbemessung infrage zu stellen. Denn ohne sie wissen wir nicht, wie viel Pflegepersonal benötigt wird.“

Dass viele Kliniken die Instrumente bislang noch nicht als ausreichend wirksam erleben, zeigt aus Sicht des Deutschen Pflegerats den Weiterentwicklungsbedarf, nicht ihre Entbehrlichkeit.

Personalbemessung ist eine Voraussetzung für Entlastung und Versorgungsqualität, aber keinesfalls ein Hindernis. Entscheidend ist, sie kontinuierlich weiterzuentwickeln und insgesamt unnötige Bürokratie konsequent abzubauen. „Bürokratieabbau an dieser Stelle wäre Bürokratieabbau an der falschen Stelle.“

Strukturelle Voraussetzungen jetzt schaffen

Der Deutsche Pflegerat sieht in den aktuellen Zahlen eine klare Chance: „Mehr Auszubildende und mehr Pflegepersonal sind ein Fortschritt. Jetzt müssen die strukturellen Voraussetzungen folgen, damit daraus – zusammen mit einer Stärkung des Pflegestudiums – dauerhaft eine stabile Versorgung von Menschen aller Altersgruppen in allen Versorgungsbereichen entsteht.“

Ansprechpartner:innen

Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats

Michael Schulz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0151 650 617 86 | E-Mail: m.schulz@deutscher-pflegerat.de

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