08.07.2026 Arbeitsbedingungen Handlungsfelder Pressemitteilung
Noch 2 Tage. Die Bundesregierung spart. Die Rechnung kommt zurück.
Countdown: #PflegeImFreienFall #DeutschlandWelchePflegeWillstDu?
Deutscher Pflegerat warnt: Keine Reform ohne Versorgungsfolgenabschätzung.
Der Deutsche Pflegerat e.V. (DPR) warnt vor einer Reformpolitik, die Ausgaben in einzelnen Bereichen begrenzt, ohne die Folgen für die gesamte Versorgung verbindlich zu prüfen.
Das Vorhaben, Ausgaben kurzfristig zu begrenzen, ohne die Folgen für die gesundheitliche und pflegerische Versorgung umfassend zu bewerten, gefährdet Versorgungsqualität und verschiebt Kosten in andere Bereiche.
Beitragssatzstabilität ist ein wichtiges Ziel. Sie darf aber nicht zum alleinigen Maßstab werden. Versorgung darf nicht nachrangig werden.
Wer heute an Pflege spart, zahlt morgen einen höheren Preis. Medizinisch. Pflegerisch. Sozial. Volkswirtschaftlich.
Aus Krankenhauskosten werden Pflegekosten. Aus Pflegekosten werden Sozialhilfekosten. Aus professioneller Pflege wird unbezahlte Familienarbeit. Aus fehlender Pflege werden Komplikationen, ungeplante Wiederaufnahmen in Krankenhäusern und frühere Aufnahmen in Pflegeeinrichtungen.
Das ist keine nachhaltige Reform. Das ist Kostenverschiebung mit nicht absehbaren Folgen.
Versorgung endet nicht an der Grenze eines Budgets
Gesundheits- und Pflegepolitik muss sektorenübergreifend als zusammenhängende Versorgungskette geplant und gesteuert werden. Reformen dürfen nicht isoliert einzelne Leistungsbereiche betrachten. Sie müssen ihre Auswirkungen auf die gesamte Versorgung offenlegen.
Wer Kosten an einer Stelle begrenzt, muss offenlegen, welche Folgen dies für Patient:innen, Pflegebedürftige, An- und Zugehörige und die übrigen Versorgungsbereiche hat.
Werden Krankenhauskosten begrenzt, braucht es tragfähige Anschlussversorgung. Werden ambulante Leistungen eingeschränkt, steigt der Druck auf Krankenhäuser, Langzeitpflege und Familien. Werden Pflegeleistungen nicht ausreichend finanziert, übernehmen An- und Zugehörige mehr Verantwortung. Oft unbezahlt. Oft ohne ausreichende Unterstützung.
So entsteht kein stabiles System. So entsteht ein gesundheitspolitischer Verschiebebahnhof.
Kosten werden so nicht reduziert. Sie werden verlagert. Zu den Patient:innen, zu den Familien, zu den Kommunen und zurück in andere Bereiche des Gesundheitswesens.
Was heute als Einsparung erscheint, wird morgen zur Belastung für Patient:innen, Pflegebedürftige, An- und Zugehörige, Kommunen und das gesamte Versorgungssystem.
Sektorenübergreifende Steuerung der gesamten Versorgungskette nötig
Der DPR fordert einen Paradigmenwechsel: Weg von isolierten Sparmaßnahmen einzelner Sektoren, hin zu einer bedarfsorientierten, sektorenübergreifenden Steuerung der gesamten Versorgungskette.
Für alle gesundheits- und pflegepolitischen Gesetzesvorhaben braucht es eine verbindliche Versorgungsfolgenabschätzung. Sie muss transparent machen, was Reformen für Personalbedarf, Versorgungsqualität, Patient:innensicherheit, pflegende An- und Zugehörige sowie angrenzende Versorgungsbereiche bedeuten.
Finanzierung muss dem tatsächlichen Bedarf folgen. Nicht umgekehrt. Pflegebedarf verschwindet nicht, nur weil Leistungen gekürzt oder Finanzierungsgrenzen eingezogen werden.
Der Deutsche Pflegerat erneuert seine Forderungen:
- keine Reform ohne verbindliche Versorgungsfolgenabschätzung,
- Gesundheits- und Pflegepolitik als zusammenhängende Versorgungskette zu planen und zu steuern,
- Auswirkungen auf Personalbedarf, Versorgungsqualität, Patient:innensicherheit und angrenzende Versorgungsbereiche offenzulegen,
- Belastungs- und Kostenverschiebungen auf Familien, Kommunen und andere Versorgungsbereiche zu verhindern,
- Finanzierung am tatsächlichen Versorgungsbedarf auszurichten, statt an pauschalen Ausgabenbegrenzungen,
- Prävention, Primärversorgung, professionelle Pflege und die Unterstützung pflegender An- und Zugehöriger systematisch zu stärken,
- vermeidbare Krankenhausaufenthalte, Komplikationen, ungeplante Wiederaufnahmen und frühere Aufnahmen in vollstationäre Pflegeeinrichtungen zu verhindern.
Die Politik muss jede Reform daran messen, was sie für die gesamte Versorgung bedeutet. Einsparungen ohne systemische Perspektive sind kein verantwortungsvolles politisches Handeln.
Wer heute Versorgung schwächt, verschiebt keine Kosten. Er erzeugt neue.
Anlage: Countdown-Grafik Tag 2: „Die Bundesregierung spart. Die Rechnung kommt zurück.“
Weitere Information:
Countdown des Deutschen Pflegerats zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz und insgesamt zur Reformpolitik – #PflegeImFreienFall #DeutschlandWelchePflegeWillstDu?
www.deutscher-pflegerat.de
Bisher erschienen:
Tag 10. „Pflegebedarf wird weggerechnet“
Tag 9. „Angehörige pflegen. Die Bundesregierung kürzt ihre Rente.“
Tag 8. „Der Personalmangel wird zum Maßstab.“
Tag 7. „Pflegepersonal fehlt. Die Bundesregierung bremst dessen Bezahlung.“
Tag 6. „Prävention versprechen. Pflegekompetenz ausbremsen.“
Countdown angehalten. „Zeit zum Nachdenken.“ Deutscher Pflegerat veröffentlicht Eckpfeiler für ein zukunftsorientiertes Gesundheitssystem
Tag 5. „Ein Sektor spart. Der nächste bricht ein.“
Tag 4. „Pflegepersonalbedarf wird wieder unsichtbar. Es gilt nur das Mindestmaß.“
Tag 3. „Das Pflegebudget wird begrenzt. Personalabbau kehrt zurück.“
Ansprechpartner:innen
Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats
Michael Schulz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0151 650 617 86 | E-Mail: m.schulz@deutscher-pflegerat.de
