30.04.2026 Selbstverwaltung Handlungsfelder Pressemitteilung
Berufliche Selbstverwaltung der Pflege stärken
Deutscher Pflegerat: Pflege braucht eigene Strukturen, um Versorgung mitzugestalten
Der Deutsche Pflegerat fordert die Länder dazu auf, deutschlandweit konsequent eigenständige Selbstverwaltungsstrukturen der Pflege zu schaffen, zu unterstützen und weiterzuentwickeln – in Form von Pflegekammern. Die Profession Pflege braucht verbindliche Mitentscheidungsrechte, um ihren Versorgungsauftrag im Gesundheitssystem wirksam wahrnehmen und ihre pflegefachliche Verantwortung einbringen zu können. Sie ist nicht Randakteurin, sondern ein zentraler Gestaltungsfaktor für eine bedarfsgerechte, zielführende und zukunftsorientierte Versorgung.
„Jetzt wäre es der falsche Weg, berufliche Selbstverwaltungsstrukturen der Pflege infrage zu stellen. Richtig ist das Gegenteil: Wir müssen sie stärken, ausbauen und politisch verlässlich absichern“, sagt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. „Wer Versorgung der Zukunft sichern will, muss der Profession Pflege im Selbstverwaltungssystem endlich Verantwortung geben – das geht nicht ohne eigene Strukturen. Ohne eine starke Rolle der Pflege entwickeln wir pflegerische Expertise nicht weiter. Dann bleibt die Versorgung in den Strukturen von gestern stecken.“
Es geht um Versorgung
Berufliche Selbstverwaltung ist kein Selbstzweck. Es geht immer um die bedarfsgerechte und wirksame Versorgung. Um nichts anderes. Sie sorgt dafür, dass pflegefachliches Wissen dort eingebracht wird, wo über Qualität, Kompetenzen, Berufsordnung und Zukunftsfragen entschieden wird.
Sie macht Pflege als Profession sichtbar, ansprechbar und handlungsfähig. Ohne sie bleibt Pflege auf Einzelstimmen, Projekte oder kurzfristige Beteiligung angewiesen. Das reicht nicht für einen Heilberuf mit zentraler Bedeutung für die Versorgung der Bevölkerung in Deutschland.
Ohne eigene Strukturen bleibt Pflege fremdbestimmt
Das Gesundheitswesen steht unter Druck. Der Pflegepersonalmangel wächst. Zugleich werden zentrale Fragen verhandelt: Primärversorgung, Pflegebudget, Personalbemessung, Handlungsspielräume und die künftige Rolle der Profession.
In dieser Lage muss die berufliche Pflege gestärkt werden. Ohne verbindliche Selbstverwaltung droht ihr strukturelle Ohnmacht: Sie trägt täglich Verantwortung für Qualität und die Sicherheit der pflegerischen Versorgung für Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf aller Altersgruppen, kann diese aber zu selten in Entscheidungen einbringen.
„Die Zukunft der Pflege darf nicht über die berufliche Pflege hinweg gestaltet werden. Die Fremdbestimmung muss endlich ein Ende haben“, mahnt Vogler. „Wer täglich Verantwortung übernimmt, muss auch mitentscheiden können. Pflege muss mitentscheiden dürfen, wenn geklärt wird, welche Kompetenzen künftig gebraucht werden, wie Aufgaben neu verteilt werden und wie sich der Beruf weiterentwickelt. Das darf nicht allein nach Kassenlage oder politischer Stimmung entschieden werden.“
Beteiligung muss verbindlich werden
Berufliche Selbstverwaltung bündelt die Stimme der Profession Pflege und macht ihre pflegefachliche Erfahrung und ihr Handeln im Gesundheitswesen sichtbar.
„Ohne berufliche Selbstverwaltung bleibt der Heilberuf Pflege in Deutschland strukturell abhängig – und damit in zentralen Zukunftsfragen der Versorgung nicht handlungsfähig. Das ist angesichts des demografischen Wandels, der digitalen Transformation und KI-gestützter Versorgung ein erhebliches Risiko. Wenn pflegerische Expertise nicht verbindlich in die Steuerung des Gesundheitswesens eingebunden ist, entstehen Versorgungsstrukturen ohne pflegerisches Qualitäts-, Sicherheits- und Verantwortungswissen. Das können wir uns bei den aktuellen und künftigen Versorgungsbedarfen der Bevölkerung nicht leisten.“
Die Länder sind gefordert
Der Deutsche Pflegerat ruft die Länder auf, berufliche Selbstverwaltungsstrukturen der Profession Pflege voranzutreiben und bestehende Strukturen politisch und finanziell dauerhaft zu stützen. Nötig sind verlässliche Rahmenbedingungen, klare Zuständigkeiten und ein Umfeld, das die Eigenständigkeit der Profession stärkt.
Selbstverwaltung lebt vom Mitmachen
Der Deutsche Pflegerat appelliert auch an die eigene Berufsgruppe, berufliche Selbstverwaltung aktiv zu unterstützen und mitzugestalten. Sie lebt von den beruflich Pflegenden selbst: von ihrer Erfahrung, ihrer fachlichen Kompetenz und ihrer Bereitschaft, Verantwortung für die Entwicklung der Profession zu übernehmen.
Berufliche Selbstverwaltung entsteht nicht von außen. Sie wächst dort, wo Pflegefachpersonen ihre eigene Profession ernst nehmen, sich einbringen und Verantwortung nicht nur einfordern, sondern auch übernehmen. Gerade deshalb braucht es in der Pflege eine Kultur, die durch eine kritisch reflexive Haltung Selbstbewusstsein stärkt, gemeinsame Interessen sichtbar macht und die eigene Profession nicht durch innere Abwertung oder gegenseitige Blockaden schwächt.
„Berufliche Selbstverwaltung ist Ausdruck beruflicher Mündigkeit“, sagt Vogler. „Sie schafft die berufliche Verankerung, die Pflege braucht, um ihre Profession weiterzuentwickeln und bessere Arbeitsbedingungen möglich zu machen. Pflege muss sich ihrer eigenen Stärke bewusst werden: Wer Verantwortung im System will, muss sie auch innerhalb der eigenen Profession gemeinsam tragen.“
Ansprechpartner:innen
Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats
Michael Schulz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0151 650 617 86 | E-Mail: m.schulz@deutscher-pflegerat.de
