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07.01.2026 Handlungsfelder Pressemitteilung

Stromausfall in Berlin zeigt Verwundbarkeit der pflegerischen Versorgung

Runder Tisch für alle, die pflegen legt Expertenpapier zum Bevölkerungsschutz vor

„Wenn der Strom ausfällt, geht es für viele pflegebedürftige Menschen um ihre Existenz, Sicherheit und Versorgung“, erklärt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. „Der massive Stromausfall in Berlin zeigt deutlich, wie schnell vertraute Pflegesituationen und das Leben ins Wanken geraten können.“

Der Deutsche Pflegerat dankt allen haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften, Hilfsorganisationen sowie den vielen Menschen, die in dieser Ausnahmesituation schnell, solidarisch und entschlossen geholfen haben. Ihr Engagement trägt dazu bei, akute Not zu lindern und Sicherheit zu geben. Vielen Dank für diesen großartigen Dienst an unserer Gemeinschaft! Ihr Einsatz ist unverzichtbar.

Der durch einen Anschlag verursachte Stromausfall ist absolut zu verurteilen. Angriffe auf kritische Infrastruktur treffen nicht abstrakte Systeme, sondern Menschen – insbesondere jene, die auf kontinuierliche Pflege, medizinische Technik und menschliche Unterstützung angewiesen sind. Der Schutz kritischer Infrastruktur ist damit auch eine Frage des Schutzes von Menschenwürde und Grundrechten. Eine bewusste Gefährdung dieser Versorgung ist in keiner Weise hinnehmbar.

Der Stromausfall im Berliner Südwesten hat den Alltag aller Betroffenen schlagartig verändert. Pflegebedürftige Menschen in ihren eigenen vier Wänden sowie Bewohnerinnen und Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen und ambulant betreuter Wohngemeinschaften stehen plötzlich vor grundlegenden Fragen und Ängsten: Ist Hilfe erreichbar und erreicht sie uns, wenn Strom nicht vorhanden, Kommunikation oder Mobilität eingeschränkt sind? Wie kann ich mich gegen die Kälte schützen? Funktionieren medizinische Geräte weiter? Bleiben Medikamente verfügbar? Muss ich meine gewohnte Umgebung und die Menschen, die mich pflegen und betreuen, verlassen?

Besonders deutlich wird die Belastung für Menschen in häuslicher Pflege und ihre pflegenden An- und Zugehörigen. In vielen Haushalten lag und liegt nach wie vor die Verantwortung plötzlich nahezu vollständig bei wenigen Personen – bei klirrender Kälte. Gleichzeitig wird auch jetzt in Berlin deutlich, dass Informationen zu individuellen Pflege- und Unterstützungsbedarfen in Krisenlagen oft nicht ausreichend verfügbar sind und die Krisenkommunikation längst nicht alle erreicht. Gleiches gilt für Evakuierungs- und Schutzmaßnahmen, die spezifische pflegerische Bedarfe berücksichtigen müssen. Der Berliner Stromausfall ist ein Weckruf.

Der Stromausfall macht sichtbar, wie verletzlich auch Pflege und Betreuung wird, wenn Infrastruktur wegbricht. Elektrisch betriebene Hilfsmittel und Beatmungsgeräte, Heizungen, Essen, regelmäßige Medikamentengaben, Mobilität oder der Kontakt zu Pflegediensten sind unverzichtbar. Mobile Pflegeangebote, kurzfristige Unterstützungsstrukturen und barrierefreie Notunterkünfte für Pflegebedürftige tragen in solchen Situationen entscheidend dazu bei, Versorgungslücken zu vermeiden und die Not zu mindern. Sie sind Bestandteil eines wirksamen Bevölkerungsschutzes.

Berlin zeigt: Wirksamer Katastrophenschutz muss diese Lebensrealitäten berücksichtigen und er muss strukturell geregelt sein. Pflegebedürftige Menschen und ihre An- und Zugehörigen sind nicht nur schutzbedürftig, sondern tragen zusammen mit den beruflich Pflegenden die Versorgung im Alltag und in Krisen. Ihre Erfahrungen und Bedarfe müssen dort einbezogen werden, wo Entscheidungen getroffen werden – auch durch die systematische Einbindung pflegefachlicher Expertise in Krisenstäbe.

Vor diesem Hintergrund hat der Deutsche Pflegerat gemeinsam mit dem Runden Tisch für alle, die pflegen das Expertenpapier „Notwendigkeit der Einbindung pflegender An- und Zugehöriger in den Bevölkerungsschutz“ vorgelegt. Ereignisse wie der Stromausfall in Berlin zeigen, dass diese fachlichen Überlegungen kein theoretisches Konstrukt sind, sondern an realen Krisenerfahrungen gemessen und weiterentwickelt werden müssen.

Der Stromausfall erinnert daran, worum es im Kern geht: um Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, und um diejenigen, die diese Unterstützung leisten. Bevölkerungsschutz wird dann wirksam, wenn er diese Wirklichkeit ernst nimmt und kritische Infrastruktur bereits vor dem Katastrophenfall konsequent schützt.

Download Positionspapier

Ansprechpartner:innen

Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats

Michael Schulz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0151 650 617 86 | E-Mail: m.schulz@deutscher-pflegerat.de

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